Blog-Serie “Stärken stärken” Nr. 12 – Mut/Tapferkeit

mut_tapferkeit

„Mut & Tapferkeit“ – zwei große Worte. In diesem Stärkenportrait geht es jedoch nicht um Heldentum oder ritterliche Leidensfähigkeit, sondern um das,
was Menschen für den eigenen Weg stark macht.

Halten Sie sich für mutig und tapfer? – Nehmen Sie sich doch mal ein eine Minute Zeit und überlegen Sie. Oder finden Sie es mithilfe des Persönlichkeits-Test der
Positiven Psychologie heraus. Dort sehen Sie, wo er sich innerhalb der sogenannten 24 Charakterstärken bei Ihnen befindet. Auf diesen Artikel habe ich mich besonders gefreut, denn „Tapferkeit“ steht in meinem persönlichen Testergebnis,
auf Platz 2.

Die Positive Psychologie beschreibt „Mut & Tapferkeit“ folgendermaßen:

Tapferkeit (Mut): Tapfere Menschen fürchten sich nicht vor Bedrohungen,
Herausforderungen, Schwierigkeiten und Schmerzen.
Sie stehen trotz Widerständen zu ihren Meinungen und Äußerungen.

Wenn es um Mut geht, geht es immer auch um Risiken. Und diese haben
verschiedene Ausprägungen. Sie können auf körperliche Konsequenzen bezogen sein, wenn also jemand Verletzungen oder physische Beeinträchtigungen in Kauf nimmt, die beispielsweise Extremsportarten mit sich bringen können.
Gleiches kann für die Zivilcourage gelten, muss aber nicht. Hier kann es auch sein, dass die Folge eine soziale oder gesellschaftliche Ächtung ist.

Zudem ist Mut eine sehr individuelle und vielfältige Angelegenheit. Was der eine als risikoreiches, kühnes Vorgehen bewertet, ist für den anderen vielleicht schon
waghalsig und er erachtet es für dumm. Für einen Dritten mag gleiches wie ein
Spaziergang erscheinen. Wenn Sie die Stärke „Mut“ aktiver leben wollen, kommen Sie also nicht drumherum, Ihr persönliches Mutverständnis zu reflektieren.

Aus dem Ergebnis meines persönlichen Tests – indem „Tapferkeit“ auf Platz 2 steht, was mich überhaupt nicht wundert – möchte ich noch hinzufügen, dass es mutig ist, neue Dinge anzugehen. Besonders dann, wenn die Erfolgsaussichten erst mal nicht so pralle sind, oder ein geplantes Projekt auf Widerstände stößt.
Denn die Kunst besteht darin, zwar alle Meinungen zu hören bzw. von allen Seiten zu durchleuchten, jedoch zu seiner Überzeugung zu stehen und es anzugehen. Selbst wenn sich das Projekt später als „Fehler“ herausstellt, so hat man seine Vision umgesetzt und – aus Fehlern lernt man bekanntlich ;-). Erste Hilfe Strategien bei Enttäuschungen, lesen Sie übrigens in diesem Artikel von mir.

Was macht mutige Menschen aus?

Trotz all der vielfältigen Ausprägungen dieser Stärke gibt es  Gemeinsamkeiten,
die Mutige auszeichnet:

  • Sie haben ein grundlegendes Vertrauen in die eigene Kraft, zumindest aber in Bezug auf das gewählte Vorgehen.
  • Sie können sich selbst überwinden. Das heißt nicht, dass ihnen nicht die Knie dabei zittern, wenn sie zur Tat schreiten. Sie sind auch nicht unbedingt vom sicheren Erfolg überzeugt. Doch sie können trotz Bedenken und Ängsten
    handeln.
  • Wenn es sich um überlegte Mutaktionen dreht, sind sie bereit, Risiken
    einzugehen und kalkulieren Fehlschläge ein. Sie nehmen dafür einen zu
    zahlenden Preis ihn Kauf, beispielsweise etwas zu verlieren oder etwas
    aushalten zu müssen.
  • Sie haben zumeist ein gesundes Selbstwertgefühl, was sich zu einem guten Anteil auch daraus speist, dass sie zu sich stehen und nach den ihnen
    wichtigen Maßstäben handeln.
  • Sie halten sich bei Angelegenheiten, die gegen ihre Überzeugungen und
    Werte gehen, nicht zurück oder finden Hintenherum-Wege, sondern gehen direkt dagegen vor. Es sind also keine konfliktscheuen, sondern
    durchsetzungswillige Zeitgenossen.

Vorteile

Mutige Menschen leben ihr Leben nach ihren Vorstellungen. Wenn sich ihr Mut
auszahlt, erreichen sie etwas für sich und oft auch für andere. Sie werden also
belohnt. Diese Belohnungen sind wiederum individuell und vielfältig.
Das kann materieller oder ideeller Reichtum sein. Der Sieg nach einem Kampf oder die Befriedigung, ohne diesen zu einer Lösung gekommen zu sein. Manchmal liegt der Erfolg auch im mutigen Nicht-handeln. Doch viele sehen auch bei Fehlschlägen den Gewinn, nämlich es überhaupt versucht zu haben.

Mutig zu sein und sich zu überwinden, wird als persönliches Wachstum
empfunden. Das befriedigt und beschert Glücksgefühle. Und wenn Mutige Dinge erreichen, die sich andere nicht trauen, werden sie oft als „große oder kleine“ Helden bewundert und gefeiert. Das kann erfreuen und zur Steigerung des Selbstwert-
gefühls beitragen. Bei vielen Mutigen wird dieses jedoch vor allem durch das eigene Tun und den persönlichen Erfolg genährt. Das beflügelt und treibt sie zu neuen
Taten. Sie brauchen also kaum Bestätigung von außen.

Im Sinne des Stärken-stärken-Ansatzes geht es nun wieder darum, Ihre Stärke „Mut“ auch einzusetzen und so zufriedener zu leben.

Mut im Berufsleben

Ebenso vielfältig, wie der Mut ausgerichtet ist, sind die naheliegenden Berufe und Tätigkeiten, die diese Stärke fordern: Unternehmer, Soldaten, Polizisten, Renn-
fahrer, Testpiloten, Chirurgen, Bombenentschärfer, Politiker, Kriegsberichterstatter. All diese Berufe erfordern, wenn auch verschieden geartet, immer wieder besondere Selbstüberwindung und bergen Risiken in sich. Und sie erfordern starke
Überzeugungen, für die man einstehen will.

Letzteres können Sie jedoch in vielen Berufen. Überall braucht es Vorreiter und
beherzte Menschen, die Visionen oder herausfordernde Problemstellungen in die Tat umsetzen und verwirklichen. Oder sinnvolle, wenngleich unpopuläre
Vorschläge machen oder althergebrachtes Hinterfragen und revolutionieren.
Welche Themen und welche Situationen wären das in Ihrem Fall? Vielleicht können Sie etwas für ihre Abteilung durchsetzen? Oder für eine persönliche oder generelle Verbesserung kämpfen? Oder andere dabei unterstützen, Dinge zu erreichen,
die sie sich aus eigenen Stücken nicht trauen?

Mut im Privatleben

Auch im Privaten zeigen sich die Möglichkeiten, diese Stärke aktiv zu leben,
vielgestaltig:

Wenn Sie es körperlich herausfordernd haben wollen, sind die schon erwähnten
Risiko- oder Extremsportarten vielleicht etwas für Sie. Sie könnten beispielsweise Motorradrennen fahren, Apnoe tauchen oder Free-solo-Klettern.

Wenn Sie es psychisch gewagt sein soll, sind vielleicht Alleingänge durch die Wüste oder entsprechend ausgerichtete Selbsterfahrungskurse für Sie interessant.

Wenn Sie mutig für Ihre gesellschaftlichen oder politischen Ansichten eintreten möchten, können Sie Organisationen beitreten,  die diese teilen und bei
entsprechenden Aktionen, Aufrufen und Demonstrationen mitmachen.

… Bevor ich mich zu weiteren „Wenn-dann`s“ hinreißen lasse: Überlegen Sie selbst! Was fordert Sie heraus?

Nehmen Sie sich Zeit und erforschen Sie, was Sie reizen würde. Das Gewählte muss in Ihnen kribbeln und sie kitzeln. Muss sie aus ihrer Komfortzone treiben und über Ihren Schatten springen lassen. Nur dann ziehen Sie Befriedigung und Glück
daraus. Und darum geht ja letztlich beim Stärken stärken.

Ein Umsetzungsproblem liegt in der Praxis übrigens nicht selten darin, dass Mutige ihre geplanten Abenteuer oder Aktionen auf Bitte von ihnen nahe stehenden
Menschen hin unterlassen. Und das ist aus deren Sicht auch verständlich,
für Betroffene jedoch äußerst unbefriedigend.

Reflexionsfragen zur Stärke „Mut“

Wenn Sie diese Stärke aktiver leben wollen, fragen Sie sich doch mal:

  • Was verstehe ich genau unter Mut und Tapferkeit?
  • Wer oder was ist für mich mutig? Und warum?
  • Wo und wann verhalte ich mich mutig? – Schreiben Sie konkrete Situationen auf, die Ihnen einfallen.
  • In welchen Lebensbereichen kann ich in welchen Situationen meinen Mut noch einbringen?
  • Welche Tätigkeiten fordern mich heraus und üben einen Reiz auf mich aus?
  • Was ist mir wichtig? Was will ich erreichen? Und wie kann ich aktiv dafür
    eintreten?
  • Wie kann ich diese Stärke mit meinen anderen Kernstärken verbinden und
    leben? (Dafür müssen Sie den Test der Positiven Psychologie gemacht haben.)
  • Was konkret will ich nun diesbezüglich ausprobieren oder angehen?

Über Ihre Meinung zum Thema und weitere Ideen freue ich mich.

Und so geht es weiter:

Im nächsten Stärkenportrait geht es um Sinn fürs Schöne. Wenn Sie wissen
möchten was es damit auf sich hat, und wie Sie diese Stärke aktiv im Beruf und
Privaten ausbauen können, dann kommen Sie wieder vorbei.

Alle bisherigen Artikel aus der Blog-Serie “Stärken stärken” inklusive Kurzinfo zum Charakterstärkentest, finden Sie in der Inhaltsübersicht.

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Ich freue mich auf Ihr Feedback und wünsche Ihnen viel Spaß beim Reflektieren!
Alles Liebe, Ihre Claudia Bäumer

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